Teil 1 das Suchen nach Glück

 SCR Altach

Teil 1 von 2 einer Kolumne von Sascha9096 mit einem Rückblick auf die Karriere des Trainers sowie im zweiten Teil auf die letzte Saison als Trainer von PSG.

 

Ich wurde Anfang der Saison 36 von vielen Trainerkollegen gefragt, warum ich nach Paris wechsel, und um ehrlich zu sein, dass hab ich mich selber auch oft gefragt. Ich war doch bei meinem Lieblingsverein, dem FC Bayern München.

Ich bin seit klein auf Bayern Fan. Ja, viele sagen Bayern Fans gibt es nicht und es sind doch alle Erfolgsfans und ohne den Erfolg den der FCB in meiner Kindheit hatte, wäre ich vermutlich auch nie Bayern Fan geworden.

Also würde ich es auch nicht zu 100% ausschlagen. Warum bin ich Bayernfan geworden?

Alles fing an mit der WM 2002.

Ich schaute als kleiner bub die Deutschland Spiele und wurde großer Fan zweier Spieler.

Oliver Kahn und Michael Ballack.

Vorallem Oli Kahn hatte es mir angetan.

Ich war immer und bin es auch noch, ein sehr ruhiger Typ. Und Kahn war für mich mit seiner mutigen und lauten Art schon von klein auf ein Vorbild. Er hat sich vor nichts und niemanden gescheut. Deswegen wollte ich auch als kleiner Junge torwart werden, meinem Idol nacheifern und bekam auch direkt ein Torwarttrikot mit passenden Handschuhen. Und dann begann meine große Torwartkarriere, eine Weltkarriere wie sie nur in Büchern stehen könnte. Oder eher waren das Träume eines kleinen Jungen, der schnell lernen musste wie gemein doppelt so alte und große Jungs sind. Denn als die dann irgendwann mitgespielt haben und mit ihren nicht so lockeren Schüssen, den kleinen Sascha Aua getan haben, endete auch schon die große Torwartkarriere und ich traute mich Jahre lang nicht mehr im Tor zu stehen.

Also Feldspieler. Das passende Trikot gab es dann 2004. Ich kann mich noch heute daran erinnern, wie ich mit meinen Eltern über den Trödelmarkt gehe und dieses goldene Trikot sehe. Und was steht drauf? Ballack.

Ein goldenes Trikot und das von Michael Ballack. Das musste ich haben. Also was macht ein Kind um was zu bekommen. Solange quengeln bis man es bekommt. Und so bekam der kleine Sascha sein erstes Bayern Trikot. Kurz danach bekam ich auch das erste Fußballspiel für die Konsole. Heutzutage fast schon eine Schande als playstation und fifa Spieler. Aber es war natürlich PES04 für die Xbox.

Dadurch stieg das Fussballinteresse natürlich noch ungemein und ich fing an auch die Bundesliga zu verfolgen und dadurch natürlich den FCB mit Oli Kahn und Michael Ballack. 

Es waren früher die Spieler bei Bayern, zu denen ich aufgesehen habe. Nach Kahn und Ballack waren es dann ein Schweini oder Poldi, die einfach richtig coole Jungs waren. 

Seit dem habe ich immer mitgefiebert, wenn Bayern spielte. Gejubelt, geschrien, ja sogar geheult. Sich einfach mit meinen Idolen gefreut und gelitten. Das schlimmste bis heute war das Champions League Finale 2012.

Finale dahoam. Man spielte fast ausschließlich auf ein Tor und verlor am ende trotzdem im Elfmeterschießen. Allein Schweinsteiger heulend am Boden zu sehen brachte mich dazu, mich in den Schlaf zu weinen. 

Ich wusste früh, dass aus meiner Fussballkarriere nichts wird. Warum ich kein Torwart wurde, hab ich ja bereits geschrieben. Und als Feldspieler war ich miserabel. Also wollte ich Trainer werden.

Mit 19 Jahren machte ich den Town Trainerschein. 

Meine erste Station war in der Toskana in Italien. Serie A. Es ging nach Empoli. Es lief nicht gut. Es gelang unter meiner Führung kein Sieg, ich wollte schon aufgeben. Bis zum letzten Spiel. Ich wusste bereits, dass es mein letzte Spiel für Empoli wird. Es ging gegen den Ac Florenz. Damals eins der besten Teams in der Town Serie A mit einem richtigen Toptrainer. Die Niederlage war vorprogrammiert. Doch es gelang uns überraschend der Sieg. Dadurch überlegte ich es mir nochmal mit dem frühen Karriereaus. Ich wagte einen Neuanfang und ging nach Paderborn. Aber hier fehlte auch der Erfolg. Aus 5 spielen wurden 4 Niederlagen und nur ein Sieg. Ich war nicht nur ein miserabler Fußballspieler, ich war auch ein schlechter Trainer. Aber ich wollte weitermachen. Also zog ich von Stadt zu Stadt, Team zu Team.

Bis ich irgendwann das Angebot von aus Rom bekam. AS Rom. Mit Spielern wie Manolas, Salah, Naingollan... ich nahm es sofort an. Flog nach Rom und freute mich riesig. Ich dachte, jetzt geht's los. Jetzt startet meine Trainerkarriere erst richtig.

Ich war richtig euphorisch. Aber schnell kam die Gewissheit. Selbst mit dem Champions League Teilnehmer Rom kam kein Erfolg. Es folgten 4 Niederlagen direkt zum Start. Und dann bin ich meinem Bauchgefühl gefolgt und schmiss hin. Ich gab auf. Wollte kein Trainer mehr sein. So war es dann auch.  Ich übernahm kein Team mehr und wollte vom Fussballgeschäft nichts mehr wissen.

Bis dann irgendwann der gemeinsame Familienurlaub anstand. Mein großer Bruder war es damals, der mir den ersten Trainerjob holte. Er trainierte immer mal wieder ein Team, hatte aber auch wenig Erfolg und schmiss auch oft hin. So dachte ich, dass auch er damit abgeschlossen hatte. Doch im Urlaub erzählte er mir von seinem neuen Trainerjob. Und durch seine Erzählungen brannte die Flamme wieder auf. Ich wollte es doch noch mal versuchen. Und seit ist die Flamme auch nie wieder erloschen.

Ich wälzte Taktiken, schaute Videos. Wollte es einfach besser machen. Rief frühere Kollegen an und fragte um Rat. Dadurch wurde bekannt, dass ich wieder ins Trainergeschäft einsteigen wollte und bekam das erste Angebot. Und das musste ich annehmen. Den wo kann man es am besten versuchen es besser zu machen, als da, wo man als erstes gescheitert ist. Es ging wieder nach empoli. Und es lief auch besser. Aber die Zeit im Empoli war nur von kurzer Dauer. Den ich bekam bessere Angebote und ging. Strebte nach der großen Karriere. Nach dem Erfolg, der nie kommen sollte. Den ich musste immer noch zugestehen, dass ich kein Toptrainer war. Ich war besser als zu Anfang. Aber weiterhin nichts besonderes.

Irgendwann kam dann das Angebot von Zenit St. Petersburg

Mein erstes großes Team nach dem Rom-Debakel. Es war auch eine gute Zeit und ich hielt bis zum Ende der Saison durch. Das war damals keine Selbstverständlichkeit, da ich meist nicht länger als 10-20 Spiele irgendwo Trainer war. Mit Zenit spielten wir um die Europäischen Plätze und wir erreichten das Pokalhalbfinale. Ich wollte unbedingt einmal in einem Finale stehen. Doch hier blieb mir das verwehrt. Wir verloren das Halbfinale knapp und aus der Traum von einem Finale. Leider stieg die Russische Liga am Ende der Saison aus dem Town Verbund aus(die Liga wurde geschlossen) und somit konnte ich Zenit nicht weiter trainieren, da ich mit meiner Lizenz nur Teams im Verbund trainieren konnte.

Ich zog weiter und landete irgendwann in Deutschland. Die dritte Liga wurde in dem Verbund erstmalig aufgenommen und ich bekam das Angebot vom Hallescher FC. Dies war eine kurze aber sehr erfolgreiche Zeit. Aus 11 Spielen konnten wir 6 Siege und 2 unentschieden holen. Eine Siegquote über 50 % gelang mir vorher mit keinem Team. Darauf wurden die Leipziger aufmerksam. So kam ich wieder in die erste Bundesliga. Leipzig war ein aufstrebender Verein. Durch den Investor wurde der unbeliebte Verein schnell zu einem Topteam in Deutschland. Ich hatte meine Bedenken, aber die Verlockung Bundesliga war zu groß und somit wechselte ich nach Leipzig. Anfangs war es auch ganz erfolgreich. Auch hier landete man im Pokalhalbfinale aber schied leider wieder aus. In der Liga spielte man um Europa mit. Ich war glücklich. Nur leider fehlten mir bei meinen Stationen immer die Konstanz. Auch bei Leipzig. Ich hatte innerhalb einer Saison immer gute aber leider auch schlechte Phasen. Deswegen reichte es auch nie um ganz oben mitzuspielen.

Trotzdem kam irgendwann ein ganz besonderer Anruf. Es war der Toptrainer JK7, damals Trainer von Real Madrid, der sich bei mir nach Leipzig erkundigte. Es bahnte sich ein sensationelles Trainergeschäft an.

Für eine Saison dürfte ich nach Madrid gehen. (JK7 verloste Real für einen Saisontausch und ich hatte Glück dies zu gewinnen).

Die Königlichen. Ein Verein, der schon von so vielen Großen Trainern trainiert wurde und wo so viele Legenden des Fußballs gespielt haben. Ein Team voller Stars und ganz vorne, einen der größten Fußballer der Geschichte: Cristiano Ronaldo. Ich hätte nie zu Träumen gewagt, dass ich so einen Spieler je trainieren dürfte. Ich war und bin heute noch JK7 dafür dankbar, dass er mir dies ermöglicht hat.

Es war eine sehr schöne Saison. Eine tolle Erfahrung. Danach ging es zurück nach Leipzig. Ich war lange bei Leipzig. Insgesamt fast 4 Saisons. Aber irgendwann wurde mir der Trubel zu viel. Der Verein setzte immer höhere Ziele. Und den konnte ich nicht gerecht werden. Es lief vieles aus dem Ruder, auch privat. Ich musste im Fussball kürzer treten. War nicht mehr voll dabei. Und dann flüchtete ich. Ich hörte wieder auf mein Bauchgefühl. Ich wechselte vom deutschen Topklub ins kleine beschauliche Altach nach Österreich.

Dort wollte ich einfach zur Ruhe kommen.

Erstmal wieder Energie tanken. Und das war die beste Entscheidung meiner Karriere.

Altach wurde zu meiner zweiten Heimat.

Anfangs sogar sehr erfolgreich.

Man spielte damals noch gegen jeden Gegner vier Spiele pro Saison. Österreich wurde zu meiner Anfangszeit bei Altach lange von Sturm Graz mit Trainer Herb dominiert. Ab und zu konnten die Linzer diese brechen. Aber dahinter war alles offen.

In meiner ersten Saison bei Altach (Saison 21) führte ich sie auf den 4. Platz und somit in die Europa League (Ja Hieger, ich hab mich mal mit Altach für Europa qualifiziert, sogar öfters am Anfang 😘)

Und das was in der Europa League passierte, war mein bisher bestes Erlebnis in Europa.

Wir hatten eine harte Gruppe erwischt. Mussten gegen Monaco, Besiktas und bournemouth und waren somit der klare aussenseiter, als kleiner Österreichischer Verein.

Doch wir konnten in den meisten Spielen mithalten und selbst gegen den bis dato ungeschlagenen Monegassen im ersten Spiel gewinnen und das zweite durch ein Gegentor in letzter Sekunde mit 3:3 Unentschieden spielen. Somit sind wir als zweiter hinter Monaco in die nächste Runde eingezogen. Ich hatte in jedem Europa League Spiel mit Altach pure Gänsehaut. Ich war aufgeregt und wir wollten dieses Feeling in Europa einfach mitnehmen. Doch es wurde zu einer fantastischen und erfolgreichen Erfahrung. Meine Spieler haben in jedem Spiel bis zum umfallen gekämpft und alles gegeben und nur so konnten wir Erfolg haben. Leider endete die Reise im Sechzentelfinale gegen Udinese mit Trainer Tomsack, der später als Trainer von Austria Wien, für mich ein wichtiger Ansprechpartner und Trainerkollege wurde. Wir schieden nach einem umkämpften 3:3 im Hinspiel, durch ein 2:0 im Rückspiel aus.

Ich war so glücklich in Altach. Das Team, der Verein, die Fans, es war wie Familie. Wie Heimat. Und das war es auch noch, als irgendwann der Erfolg ausblieb. Als es irgendwann nur noch Abstiegskampf hieß.

Erstmal ging die erfolgreiche Zeit weiter. Wir konnten die nächsten Jahre weiterhin um Europa kämpfen. Auch in der nächsten Saison schafften wir es in die gruppenphase. Diesmal über die Quali. Dort hatten wir ein schweres los. Es ging gegen den FC Sion mit Toptrainer Rokko, auf den ich in meiner langen Trainerkarriere schon oft getroffen bin und gegen denn ich in 21 Spielen nur zweimal gewinnen konnte. Ein Sieg davon war das Hinspiel in der Quali. Durch den Sieg und am ende allein durch die Auswärtstorregel konnten wir das Gruppenticket lösen.

Doch weiter als die Gruppenphase kamen wir nicht mehr.

In Österreich pendelten wir immer zwischen dem 4. Platz und dem 6. Platz. Ab und zu schafften wir es auch ins Pokalhalbfinale aber ein Finale erreichte ich mit Altach leider auch nie. Dann kam irgendwann die Reform. Die Österreichische Liga änderte ihr System um der Dominanz der Grazer entgegenzuwirken. Die Liga wurde um zwei Mannschaften aufgestockt und es wurde ein Playoff System, wie man es noch heute in Österreich kennt, eingeführt.

Spätestens dann verließ uns der Erfolg. Die Liga wurde stärker und wir schwächer. Ich schaffte es nie mit Altach in die Meisterrunde.

Und wenn wir als Favorit in die Qualirunde starteten, spielten wir schwache Playoffs. Irgendwann hieß es nur noch Abstiegskampf.

Trotzdem war ich glücklich in Altach. Ich wollte hier für immer bleiben. Hier in Rente gehen. Und der Verein und die Fans waren auch glücklich mit mir. Wir waren eine Familie. 

Und es bestand nie ein Gedanke hier wegzugehen. 

 

Bis an dem Tag, an dem sich mein Traum erfüllte. Etwas, womit niemand, vorallem ich nicht mehr gerechnet habe.

 

Weiter geht es im zweiten Teil. Teil zwei erscheint voraussichtlich in der Sonntagsausgabe.

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