Hoffnung und Leid so nah beieinander

Hoffnung und Leid so nah beieinander

Hoffnung, Verzweiflung und der Wille sind Wörter die nicht immer gut miteinander harmonieren, man muss viel Hoffnung haben um etwas großes zu erreichen. Aber meist überennt einen die Verzweiflung weil der Wille nicht stark genug ist.

 

All dies kann man auch auf den Fußball übertragen. Beim FC Utrecht fehlte es nie an Hoffnung, geschweige denn an Willen. Aber das Leid und die Verzweiflung sind eine Übermacht und können die Hoffnung unter sich begraben, ganz gleich wie stark die Hoffnung zu scheinen mag.

 

Dies war ein Teaser, eine Einleitung oder wie auch immer sie es nennen wollen. Mein Artikel über den FC Utrecht sollte eigentlich ein fröhlicher werden, ein Artikel über Freundschaft und Kameradschaft über Hoffnung und Glück aber mir fiehl es schwer die passenden Worte zu finden. Denn die Zeit ist dein Gegner, die Verzweiflung seine Waffe. 

 

Seit nunmehr 47 Jahren arbeite ich für das Nederlands \"Dagblad\", 47 Jahre, eine lange Zeit und ein noch längeres Leben. Oft werde ich gefragt welches denn die schönsten Geschichten sind. Sind es die Geschichten über Erfolg und Ruhm oder sind es die Geschichten über Barmherzigkeit und Hilfsbereitschaft. Ich sage immer das gleiche. Nichts von beiden. Das schönste und wichtigste an den Geschichten ist die Geschichte. 

 

Es war ein kalter doch sehr klarer morgen an dem vor 6 Monaten der neue Coach vom FC Utrecht vorgestellt wurde. Viel Hoffnung und Spannung lag in der Luft. Es war eine erfolgreiche Zeit, vor der Einstellung des neuen Trainers erreichte man den internationalen Pokal und auch in der Liga spielte man oben mit. Aber dann kam der Wechsel, die  Mannschaft musste Verluste und Neuzugänge verarbeiten. Ein Gerüst fing an zu wackeln, es lag nun am Trainer dieses wieder fest in den Boden zu verankern. Aber dies sollte am Anfang nicht passieren. 

 

Wir erlebten Spiele die keiner sehen wollte, Einsatzbereitschaft, Wille, Hoffnung nichts davon war zu sehen. Es war keine Mannschaft, es waren 17 Einzelgänger die nur das nötigste machten. Nach den ersten Spielen merkte man schon einen Negativtrend, aber dennoch hielt der Trainer an der Aufstellung und am System fest. Mit diesem System spielten die besten Spieler auf ihren besten Positionen. Man dachte man könne dadurch das absolute Maximum aus der Mannschaft herausholen. Aber man sollte sich irren. Es war ein Fehler, nicht immer sind die besten Spieler auch wirklich die beste Wahl um den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Manchmal muss man auch etwas riskieren um wieder ein Hauch von Hoffnung erleben zu können.

 

Aber es sollte noch länger dauern. Selbst nachdem man aus 10 Spielen nur 3 Siege holen konnte blieb der Trainer einsern bei seiner Taktik. Die Quoten auf eine Entlassung des Trainers waren abnormal hoch. Die Frage war nicht mehr ob sondern nur noch wann der FC Utrecht die Reißleine zieht. Wochenlang wartete man gespannt auf die Mitteilung der Vereinsführung. Aber sie kam nicht wie wir heute wissen.

 

Zu dieser Zeit war man weit abgeschlagen auf den Abstiegsplätzen, genau das Gegenteil von dem wo man eigentlich stehen wollte. Selbst in der CL sah es nicht gut aus, man war auf dem letzten Platz, man musste Schalke besiegen um noch auf den dritten Platz zu rutschen und somit die EL zu erreichen. Man verlor das Hinspiel schon mit 0:2, aber dies war meist das Problem. Utrecht war nicht schlechter. Rein von der Statistik hatte man meist mehr vom Spiel, konnte aber die Effektivität einfach nicht auf den Platz bringen. Selbst die Fans verloren die Geduld. Der Mannschaftsbus wurde nach dem Spiel aufgehalten und erst nach einer Stunde nachdem Trainer und Kapitän mit den Fans sprachen konnte man weiterfahren. Es war eine angespannte Stimmung, nie gefährlich oder aggressiv aber voller Enttäuschung. Was noch viel schlimmer war.

 

Als wir kurz vor dem EL Spiel das Training besuchten fiel uns sofort etwas auf, alles war verändert. Die Hütchen standen anders, die Leibchen anders verteilt und auch neue Gesichter waren zu sehen. Vorher sah man diese nur bei der zweiten Mannschaft. Nun wurden wir Neugierig, mit schnellen Schritten liefen wir zum Zaun um jede Sekunde des Trainings zu verfolgen. Wir sahen nicht mehr dieses plumpe beständige gebolze in der Mitte. Endlich sahen wir Tempoläufe, Richtungswechsel und frühe Abschlüsse. In der ersten paar Minuten nach dem ich die Einheit gesehen hatte suchte ich den Trainer. Für einen Moment dachte ich ich hätte die Entlassung verpasst, den der Spielstil war komplett anders. Aber nein, der Trainer war der gleiche. Er hat es endlich getan, er hat die Einstellungen der Spieler so wie die Taktik von Grund auf geändert. Einfach nichts erinnert mehr an die behebige und schlechte Einstellung der ersten Spiele und Trainingseinheiten.

 

Dann kam der Tag des CL Spiels. Ausverkauftes Stadion, Reporter und Fans überall, ein richtiges Spektakel. Das Spiel began sehr gut, aber es dauerte bis zur 44. Minute in der Brama endlich das erlösende 0:1 machen sollte. Dieses Tor sollte auch das letzte im Spiel sein. Nachdem der Schiedsrichter das Spiel abgepfiffen hat konnte man die Erleichterung spüren und sehen. Die Gruppenphase wurde überstanden, man überwintert international. Was am beginn für unmöglich gehalten wurde trat ein. Und dieses Spiel ist wohl der Ausgangspunkt. Endlich spielte man in einem ganz anderen System, mit anderen Spielern. Spieler die sonst immer in der Startelf waren fanden sich nun auf der Tribüne wieder. Junge Spieler mit nicht einem Einsatz standen auf einmal in der Pflicht. Und sie haben es gemeistert. 

 

Genau dies war der Knackpunkt. Ab da ging ein Feuer in Utrecht auf. Die Verzweiflung und Angst ist verflossen und nun herrschte Hoffnung und Wille. Zwei verloren geglaubte Eigenschaften sind endlich wieder zurück. Kurze Zeit später konnte man dann Amsterdam bezwingen das beste Team in Holland und somit ins Halbfinale einziehen. Der Lauf ging weiter. In 13 Spielen musste man nur zwei Niederlagen hinnehmen, beide male gegen die Eagles. Aber auch die waren zu verkraften, man war nicht schlechter, aber der Gegner einfach effizienter. Man konnte von den Abstiegsrängen ins Mittelfeld aufrücken und hat nun die komplette Rückrunde um den Platz zu festigen. Man will keine Wunder erreichen, es reicht wenn man nun erstmal Konstanz in die Spiele und Rückrunde bringt. Alles was darüber hinaus geht nimmt man natürlich gerne mit.

 

Es war ein Wandel den der Verein gebraucht hat. Weg von dem engstirnigen System hin zur Variation. Aber auch dies macht den Fussball aus, man ist nie fertig, man hat nie ausgelernt oder hat genug gesehen. Jeder Tag, jede Stunde, jede Sekunde ist eine neue Chance. Und hier wurde sie genutzt. 

 

Als man dachte es kann kaum besser laufen konnte man sich in der EL in der K.O Phase gegen den Serienmeister aus Österreicht durchsetzen. Achtelfinale der Europa League, ein großer Erfolg für diesen kleinen Verein den man schon am Boden sah. Aber wie schon der Phoenix der aus der Asche hervorkam so kam auch Utrecht aus der Asche hervor und war stärker als zuvor. Es ist egal wie oft du verlierst, solange du daraus lernst, solange du lernst diese Fehler nicht nocheinmal zu machen.

 

Es war eine Hinrunde die alles hatte. Schmerz, Leidenschaft, Hoffnung, Verweiflung, Euphorie, Trauer, Stolz, Erleichterung und Freude. Es hat wieder gezeigt das ein Team sein Schicksal selbst in die Hand nehmen kann. Das Fans eine ganze Stadt mitziehen können. Das ist was Fussball ausmacht. 

 

Dies ist die Geschichte des FC Utrecht, ein Verein der aus mehr besteht als nur aus 18 Spielern und einem Trainerteam. Ein Verein der aus Menschen besteht die für dieses Spiel leben. Die für dieses Spiel alles geben, die für den Verein alles geben sei es noch so aussichtslos. Genau dies macht eine Mannschaft aus.

 

Denn nur wenn du alles gegeben hast, nur dann kann man von Ehre sprechen. Nur dann kann ein Mann ein Mann sein. Wenn du fällst dann musst du wieder aufstehen.

 

Mit diesen Worten entlasse ich sie und hoffe der Artikel hat ihnen gefallen. I ch werde weiterhin den Verein mit all meiner Liebe zu diesem Spiel verfolgen.

 

Ihr Mark Kuijters

 

 

 

 

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